Kaltband und Bandstahl

1. Blank

Nach der heute gültigen Norm EN 10139 über die Begriffsbestimmungen für Stahlerzeugnisse wird kaltgewalztes Band mit einer Walzbreite von unter 650 mm in Dicken von 0,05 mm bis 14 mm und einer Querschnittverminderung durch Kaltwalzen von mind. 25 % als Kaltband bezeichnet.

Die Merkmale des Kaltbandes sind engste Masstoleranzen bezüglich Dicke und Planparallelität, optimale mechanisch-technologische Eigenschaften und beste Oberflächen. Kaltband eignet sich für das Kaltumformen sowie das Aufbringen von Oberflächenüberzügen und ist insbesondere für galvanische Veredelungen geeignet.

Das Basismaterial für diese Oberflächenveredelungen ist Kaltband. Kundenspezifisch wird das blanke Kaltband mit einer Oberflächenbeschichtung versehen.

2. Verzinkt

Feuerverzinkung
Das Feuerverzinken von Kaltband geschieht durch das Aufbringen eines Zinküberzuges durch Eintauchen des Rohmaterials in ein heisses Zinkbad. Das Band wird im Durchlaufverfahren durch schmelzflüssiges Zink (Schmelztauchverfahren) geführt, abgekühlt und wieder aufgewickelt.

Dabei muss der verwendete Stahl durch seine chemische Zusammensetzung und Oberflächenbeschaffenheit die Voraussetzungen für eine möglichst gleichmässige Zinkschichtbildung und Haftfestigkeit erfüllen. Die Verarbeitbarkeit, insbesondere die Umformbarkeit des verzinkten Bandes, wird massgeblich durch die Dicke der Zinkauflage beeinflusst. Höhere Zinkauflagen gewähren eine höheren Korrosionsschutz

Elektrolytisch verzinkt
Elektrolytisch veredelte Kaltbänder werden nicht durch ein Metallbad gezogen, sondern durch ein Bad mit Elektrolyten, in diesem Fall Zinkelektrolyten gefahren. Dabei wird das zu verzinkende Band nach geeigneter Vorbehandlung über mehrere Umlenkrollen als Kathode durch das Bad gefahren. Als Anoden dienen Elektroden aus reinem Zink. Beim galvanischen Verzinken ist der Zinkauftrag proportional zu der Stärke und Zeitdauer des Stromflusses. Im Anschluss können die Bänder noch einer anwendungsspezifischen Nachbehandlung unterzogen werden. Elektrolytisch verzinkte Bänder weisen neben einer gleichmässigen Oberflächenqualität und erhöhten Korrosionsbeständigkeit auch eine sehr gute Haftung der Zinkschicht während des Umformprozesses auf. Eine mögliche Glanzverzinkung verringert den Abrieb im Werkzeug beim Stanzen und Biegen und dient einer optischen Verbesserung der Endprodukte.

3. Verzinnt

Grundsätzlich sind bei verzinnten Kaltband eine Feuerverzinnung und eine elektrolytische Veredelung möglich; jedoch hat sich hier die wirtschaftlichere Fertigung der elektrolytischen Veredelung in der industriellen Anwendung durchgesetzt. Durch geeignete Beeinflussung der Bänder und Beschichtung können hier dekorative wie auch anwendungsspezifische Oberflächen dargestellt werden. Der grösste Teil von verzinntem Material wird von der Verpackungsindustrie (Weissblech für Konservendosen, Getränkedosen und Aerosoldosen etc.) verarbeitet. Zusätzliche Anwendungen liegen im Automobil- sowie im Elektro- und Elektronikbereich. Verzinnte Bänder können im dekorativen Anwendungsbereich auch zusätzlich lackiert zur Anwendung kommen.

4. Lackiert

Im Bandbeschichtungsverfahren werden Kaltbänder mit flüssigem, organischem Lack beschichtet. Das Coil-Coating ist ein kontinuierliches, organisches Beschichtungsverfahren, welches ein- oder beidseitig durch Walzen aufgetragen wird und im dekorativen Einsatzbereich Anwendung findet. Durch geeignete Fügeverfahren sind zunehmend auch Anwendungen im industriellen Sektor möglich. Die Entwicklungen der Lackindustrie und der individuell mögliche Schichtaufbau der Lackierung lassen auch zunehmend Anwendungen in der Automobilindustrie zu; dies nicht zuletzt auch aufgrund der guten Lackhaftung und der guten Umformbarkeit des Verbundwerkstoffs in der Teilefertigung.

5. Vernickelt

Neben ihrer dekorativen und technischen Funktion dienen galvanisch aufgebrachte Nickelüberzüge auch dem Korrosionsschutz. Bei einem aus vernickeltem Band gefertigten Stahlteil ist der Mechanismus des Korrosionsschutzes jedoch anders als bei einem verzinkten Stahlteil: Das Nickel kann aufgrund seiner elektrochemischen Eigenschaften gegenüber dem Stahl nicht die Funktion einer Opferanode einnehmen, d. h. ein effektiver Korrosionsschutz ist nur bei einem dicht geschlossenen Nickelüberzug gegeben. Eine robuste Glanznickel-Oberfläche eignet sich zum Abkanten, Rollprofilieren, Falzen oder Ziehen, je nach Auswahl des eingesetzten Kaltbandes.

6. Verkupfert

Galvanisch verkupferte Kaltbänder dienen neben dekorativem Einsatz auch einem wirtschaftlichen Einsatz in der Weiterverarbeitung im Elektro- und Elektronikbereich. Sie weisen u.a. eine exzellente Lötbarkeit auf. Die sehr gute Haftung der Kupferschicht, welche auch zusätzlich als Schmiermittel in der Umformung Einsatz finden kann, weist auch eine gute Korrosions- und Temperaturbeständigkeit auf. Im Bereich von elektrischen Kontaktteilen sind auch Selektivveredelungen der Bänder möglich.

7. Vermessingt

Der Einsatz von galvanisch vermessingtem Kaltband liegt oftmals im Bereich von dekorativen Elementen in der Möbel- und Beschlagindustrie. Zur Unterstützung der anwendungsspezifischen Verwendung werden Bänder in polierter und/oder klarlackversiegelter Oberfläche gefertigt. Dadurch wird die wirtschaftliche Herstellung von einbaufertigen Teilen unterstützt. Grosse Anwendung findet vermessingtes Band auch in der Herstellung von Munitionshülsen im Jagd- und Freizeitbereich.